Echtes und unechtes Factoring - Wo liegen die Unterschiede?

Jedes gesunde Unternehmen lebt von regelmäßigen Einnahmen. Die im täglichen Wirtschaftsverkehr anfallenden Kosten müssen durch entsprechende Einnahmen gedeckt werden, damit alle Marktteilnehmer existieren und weiterhin produzieren können. Dieses System funktioniert, wenn neben der pünktlichen Lieferung der Ware oder der Dienstleistung auch die fristgerechte Bezahlung erfolgt. Viele Branchen leiden jedoch an der Zahlungsmoral ihrer Kunden und müssen ein intensives und teures Mahnwesen unterhalten, um an ihr Geld zu gelangen. Großkunden entwickeln sich immer mehr zu einem Klumpenrisiko, durch die einseitige Verlängerung von Zahlungsfristen.

In diesen Fällen ist Factoring eine Möglichkeit, diese Risiken abzuwälzen. Es erlaubt dem Unternehmen den Verkauf seiner kompletten Rechnungen an eine Factoring-Gesellschaft (Factor). Wie bei jedem Recht üblich, liegt es im Ermessen des Inhabers, dieses Recht frei zu veräußern. Soll heißen: Der Unternehmer hat mit seinen Rechnungen die Leistungsempfänger zur Zahlung des Rechnungsbetrages verpflichtet. Solange diese Rechnungen nicht bezahlt sind, lassen sich diese Rechnungen quasi wie Wertpapiere handeln oder eben verkaufen. Sobald dies in einem festen Rahmenvertrag passiert, der Unternehmer also alle seine Rechnungen ausschließlich durch die Factoring Gesellschaft bezahlen lässt, handelt es sich um einen Finanzierungsvertrag.

Üblicherweise bezahlt der Unternehmer die schnelle Liquidität mit einem erheblichen Abschlag auf den Rechnungsbetrag. Wenn die Kunden das hinnehmen und höhere Preise zahlen, ohne auf Konkurrenzprodukte zurückzugreifen, kann der Unternehmer die Factoring-Gebühren in seine Verkaufspreise einpreisen. Üblicherweise ist das in einem vorwiegend fairen und transparenten Markt nicht möglich.

Bezahlt werden

Wer nicht auf Vorkasse arbeitet oder Waren verkauft, kennt das Problem nur zu gut: Der Auftrag ist erfüllt, die Ware geliefert, die Rechnung gestellt, nur die Bezahlung lässt auf sich warten. Viele Unternehmer sind mittlerweile froh, wenn Rechnungen wenigstens nach 30 bis 60 Tagen bezahlt werden. Der Aufwand für die Beitreibung überfälliger Rechnungen ist immens. Es sind nicht nur Mahnungen, die teilweise sowieso automatisiert ablaufen, sondern die Übergabe an einen Rechtsdienstleister (Rechtsanwalt oder Inkassounternehmer), die enorme Kosten verursachen. Und bei denen mehr als unklar ist, ob diese jemals vom Schuldner getragen werden. Solche Maßnahmen stellen ein großes Risiko dar, wenn neben dem Ausfall der Rechnung weitere erhebliche Beträge zurückgestellt werden müssen, da kosten- und zeitintensive Verfahren anstehen. Dieses Risiko soll über die Zusammanarbeit mit einem Factor ausgelagert werden.

Forderungskauf bzw. unechtes Factoring

Der Forderungsverkauf stellt für viele Firmen eine einfache und schnelle Möglichkeit dar, zahlungsgestörte Forderungen zu verkaufen. Kunden, die Forderungen verkaufen wollen, deren Fälligkeit noch nicht eingetreten ist, müssen sich an eine Factoring-Gesellschaft wenden.

Die Prozessus GmbH kauft ausschließlich fällige Rechnungen, d.h Forderungen, die eine Zahlungsstörung ausweisen.

Es gibt immer weniger Branchen, in denen Zahlungsziele von drei oder mehr Monaten durchgesetzt werden können. Trotzdem spüren gerade kleinere Unternehmen die “Macht” Ihrer Kunden, bei den Verhandlungen zu den Zahlungszielen. Jedoch stellt sich spätestens bei den nächsten Gesprächen mit der Bank heraus, dass die Einräumung überlanger Zahlungsziele eine riskante Firmenstrategie sein kann. Wer seine offenen Posten reduziert, erhält in der Regel bei seiner Bank wesentlich bessere Konditionen bei anstehenden Darlehensverhandlungen.

Echtes Factoring

Abgeleitet vom Begriff "Faktura" steht der Begriff Factoring für den Verkauf von Forderungen.

Wie bei vielen betriebswirtschaftlichen Begriffen handelt es sich auch hier um einen Anglizismus. Eigentlich ist damit der auf einem Rahmenvertrag basierende, wiederkehrende Verkauf von sämtlichen Rechnungen einer Gesellschaft an eine Factoringgesellschaft gemeint.

Basierend auf dieser Definition betreibt die Prozessus GmbH kein Factoring. Tatsächlich ist der Begriff in Deutschland allgemeinsprachlich nicht eindeutig definiert. Vielfach wird von Factoring gesprochen, obwohl nur der Verkauf einer Forderung oder eines Forderungspaketes gemeint ist. Dies ist jedoch gemäß aufsichtsrechtlicher Definition kein Factoring.

Info: Hier gelangen Sie zu den gesetzlichen Definitionen.

Hauptnutznießer Gesundheitsdienstleister

In Deutschland haben Privatleute am ehesten Kontakt mit echten Factoring-Gesellschaften. Meistens nach der Inanspruchnahme ärztlicher Dienstleistungen. Der größte Teil der Ärzte bzw. Gesundheitsdienstleister (Krankenhäuser, Heilpraktiker, Therapeuten, usw.) übergibt das komplette Debitorenmanagement an Factoringgesellschaften. Für die Gesundheitsdienstleister steht dabei in erster Linie der mutmaßlich verringerte Arbeitsaufwand im Vordergrund.

Tatsächlich wird durch das Factoring die komplette Auslagerung der Debitorenbuchhaltung möglich. Erkauft wird diese betriebliche Erleichterung mit Gebühren, die dem Gesundheitsdienstleister seitens der Factoring-Gesellschaft auferlegt werden. Übliche Quoten liegen hier bei bis zu 5% des jeweiligen Rechnungsbetrages, die dann über den Gesamtumsatz fällig werden! (Diese Beträge schwanken je nach Branche sehr stark, und die Gesundheitsdienstleister erhalten mit Abstand die besten Konditionen, also die geringsten Abzüge vom Rechnungsbetrag.)

Kritik am echten Factoring

Der Großteil der Kritik am Factoring betrifft die damit einhergehende Verteuerung der Dienstleistungen. Das eigentliche unternehmerische Risiko eines Ausfalls wird auf die Allgemeinheit umgelegt.

Der ehrliche Kunde zahlt mehr, weil die Kosten für jeden Forderungsausfall von ihm getragen werden müssen. Zwar haben die Factoringgesellschaften die Möglichkeit, bei besonders zahlungsgestörten Branchen die Factoringgebühren zu erhöhen, das ändert aber nichts an dem vorgenannten Umstand.

Hinzu kommen die Erfahrungen der besonders beratungsintensiven Branchen. Deren Kunden reagieren auf Rechnungen oft mit mehreren Rückfragen. Wenn diese Anrufe jedoch bei der Factoringgesellschaft landen, geht ein erheblicher Teil der Kundenbindung verloren. Der Kunde fühlt sich eher als störendes Element, denn als ernsthafter Auftraggeber einer zahlungspflichtigen Leistung.


Prozessus, die Forderungskäufer.

Die smarte Art Forderungen zu verkaufen.

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