beteiligen

Kapitalbeteiligung
Unter Kapitalbeteiligung oder Unternehmensbeteiligung (kurz Beteiligung; englisch participation) versteht
man den Besitz von Eigenkapital eines Unternehmens.
Anteilseigner
Arten
Form
Bilanzausweis
Bewertung
Besteuerung
Deutschland
Österreich
Schweiz
Siehe auch
Literatur
Einzelnachweise
Wer die Beteiligung hält, wird als Anteilseigner (Aktionär oder Gesellschafter) bezeichnet. Anteilseigner ist,
wer als natürliche oder juristische Person die Rechte und Pflichten eines Kapitalgebers bei einer Personenoder Kapitalgesellschaft wahrnimmt. Wesentliche Rechte sind das Stimmrecht und das Recht auf
Gewinnbeteiligung, zu den Pflichten gehört insbesondere die Treuepflicht. In § 2 Mitbestimmungsgesetz ist
eine Legaldefinition enthalten, wonach unter Anteilseigner die Aktionäre von Aktiengesellschaften,
Kommanditaktionäre von Kommanditgesellschaften auf Aktien, Gesellschafter von Gesellschaften mit
beschränkter Haftung, Gewerken von bergrechtlichen Gewerkschaften mit eigener Rechtspersönlichkeit und
Genossen von Erwerbs- und Genossenschaften verstanden werden.
Wegen der mangelnden Operationalität des Beteiligungsbegriffs gibt es im Handelsrecht eine (widerlegbare)
Beteiligungsvermutung in § 271 Abs. 1 Satz 3 HGB. Danach gelten Kapitalanteile von mehr als 20 % an einer
Kapitalgesellschaft als Beteiligung, wenn sie dem dauernden Geschäftsbetrieb des beteiligten Unternehmens
dienen. Dabei wird das „Dienen“ durch die Herstellung einer dauerhaften Verbindung zum
Beteiligungsunternehmen herbeigeführt (§ 247 Abs. 2 HGB). Ansonsten geht das Gesetz davon aus, dass eine
Beteiligung dauerhaft besteht (§ 271 Abs. 1 Satz 1 HGB). Liegt die Beteiligung unter 20 %, so gilt sie
dennoch als Beteiligung, wenn eine „dauerhafte Verbindung“ beabsichtigt ist. Liegt eine Veräußerungsabsicht
vor oder ist lediglich eine Finanzbeteiligung geplant, handelt es sich nicht um eine „dauernde Verbindung“.
Inhaltsverzeichnis
Anteilseigner
Zum Anteilseigner wird man durch Kauf von Aktien oder Einzahlung der mit dem Unternehmen vereinbarten
Kapitalbeteiligung. Steht die Kapitalbeteiligung dem Unternehmen zur endgültigen und freien Verfügung, so
veranlasst es die Eintragung des Anteilseigners in das für die Gesellschaft zuständige Register, insbesondere
Handelsregister. Das gilt nicht für Aktiengesellschaften. Die Bezeichnung Anteilseigner leitet sich vom
Eigentümer von Kapitalanteilen ab. Als Eigentümer kann er sämtliche Eigentümerrechte wahrnehmen,
insbesondere kann er seine Anteile veräußern oder belasten; sie können auch gepfändet werden. Der
Anteilseigner übernimmt Rechte und Pflichten. Zu den Rechten gehören insbesondere Mitverwaltungs- und
Vermögensrechte. Das Mitverwaltungsrecht ist vor allem das Stimmrecht, das im Regelfall mit dem
Kapitalanteil verbunden ist. Es berechtigt den Anteilseigner, an den Beschlussfassungen aller Anteilseigner
teilzunehmen und das Stimmrecht auszuüben. Das Vermögensrecht beinhaltet hauptsächlich das Recht auf
Gewinnbeteiligung. Pflichten ergeben sich aus der Treuepflicht.
Je nach prozentualer Höhe der Beteiligung des Kapitalgebers am gesamten Nominalkapital des Unternehmens
(Beteiligungsquote) unterscheidet man verschiedene Arten. Eine Minderheitsbeteiligung liegt vor, wenn die
Beteiligungsquote unter 50 % beträgt, eine Sperrminorität liegt in der Regel bei Beteiligungsquoten zwischen
über 25 % und unter 50 % vor, da Satzungen und Gesellschaftsverträge in der Regel für besonders wichtige
Beschlüsse (z. B. Satzungsänderungen) eine Mehrheit von 75 % vorsehen. Qualifizierte Mehrheitsbeteiligung
besteht bei Beteiligungsquoten von 75 % bis zu 95 % und eine Eingliederungsbeteiligung (oder Squeeze-outBeteiligung) bei Beteiligungsquoten im Bereich zwischen 95 % und 100 %.
[1]
An die Höhe der Beteiligungsquote knüpfen mehrere Rechtsfolgen an, insbesondere die Einflussnahme und
die Gewinnbeteiligung. Bei der Einflussnahme ist von Bedeutung, dass keine Trennung von Kapitalanteil und
Stimmrecht vorgesehen ist.
[2] Eine solche Trennung ist rechtlich aber möglich. Eine Kleinstbeteiligung ist nur
dann von Bedeutung, wenn bei Beschlüssen Einstimmigkeit erforderlich ist. Bis zu einer Beteiligungsquote
von unter 10 % spricht man von einer Streubesitzbeteiligung. Erst die Sperrminorität kann Beschlüsse
blockieren, die eine qualifizierte Mehrheit (i. d. R. 75 % aller Gesellschafter) erfordern. Liegt die
Beteiligungsquote über 50 %, können Beschlüsse, für die eine einfache Mehrheit vorgesehen ist, herbeigeführt
oder verhindert werden. Eine Beteiligungsquote von mindestens 75 % ermöglicht Beschlüsse mit qualifizierter
Mehrheit. Die Eingliederungsbeteiligung von 95 % ermöglicht bei Aktiengesellschaften den Ausschluss der
Minderheitsaktionäre. Von den Beteiligungsquoten hängen auch börsenrechtliche Meldevorschriften ab. Das
Erreichen, Überschreiten oder Unterschreiten von 3 %, 5 %, 10 %, 15 %, 20 % 25 %, 30 %, 50 % und 75 %
der Stimmrechte sind dem Emittenten und der BaFin mitzuteilen (§ 33 Abs. 1 Satz 1 WpHG). Bei
Aktiengesellschaften bestehen Minderheitenrechte, z. B. können Aktionäre, die (auch gemeinsam) 5 % der
Aktien halten, die Einberufung einer Hauptversammlung verlangen (§ 122 Abs. 1 AktG).
Im Hinblick auf die Kenntnis Dritter über die Beteiligung lassen sich die offene und stille Beteiligung
unterscheiden. Während die offene Beteiligung für jedermann im Jahresabschluss erkennbar ist, ist die stille
Beteiligung (auch stille Gesellschaft genannt) weder aus dem Jahresabschluss noch aus dem Handelsregister
erkennbar. Die Haftung des stillen Gesellschafters ist auf seine Beteiligung beschränkt (§ 232 Abs. 2 HGB),
wobei er durch die geschlossenen Geschäfte weder berechtigt noch verpflichtet wird (§ 230Abs. 2 HGB) und
im gesetzlichen Fall auch am Verlust beteiligt ist (§ 231 Abs. 2 HGB).
Insbesondere im Hinblick auf steuerliche Fragen hat die Schachtelbeteiligung im Zusammenhang mit dem so
genannten Schachtelprivileg Bedeutung. Gegenseitige Beteiligungen von Unternehmen aneinander bezeichnet
man als Überkreuzbeteiligungen.
Arten
Form
Im Regelfall besteht die offene Beteiligung in einer Bareinlage. Der Anteilseigner tätigt diese Einlage, indem
er den erforderlichen Kapitalbetrag an die Gesellschaft zu deren freien und endgültigen Verfügung überträgt.
Die Gesellschaft meldet diese Kapitalüberlassung dem Handelsregister an, das eine entsprechende Eintragung
bei den Beteiligungsverhältnissen vornimmt. Seltener ist die Sacheinlage, bei der einlage- und
bewertungsfähige sowie übertragbare Vermögensgegenstände der Gesellschaft überlassen werden. Mit
endgültiger und vollständiger Leistung der Bar- oder Sacheinlage wird der Anteilseigner haftungsfrei.
Bei Beteiligungen kommt es auf die „dauernde Verbindung“ an. Diese liegt regelmäßig dann vor, wenn über
die Daueranlageabsicht hinaus ein unternehmerisches Interesse des Anteilseigners zur Förderung des eigenen
Geschäftsbetriebs vorliegt.
[3] Eine tatsächliche unternehmerische Einflussnahme (nach § 311 Abs. 1 AktG) ist
ein Indiz für eine dauernde Verbindung.
[3]
Im Falle einer „dauerhaften Verbindung“ ist die Beteiligung im
Anlagevermögen zu bilanzieren. Zum Anlagevermögen gehören nämlich nach § 247 Abs. 2 HGB alle
Vermögensgegenstände, die dazu „bestimmt sind, dauernd dem Geschäftsbetrieb zu dienen.“ Für derartige
Beteiligungen ist in § 266 Abs. 2 A III HGB die Bilanzposition „Finanzanlagen“ vorgesehen. Dabei gibt es
zwei Untergliederungsformen, nämlich „Anteile an verbundenen Unternehmen“ und „Beteiligungen“. Ist
jedoch nur eine Finanzanlage beabsichtigt oder besteht die Absicht oder die Möglichkeit einer Veräußerung,
sind die Anteile im Umlaufvermögen auszuweisen (§ 266 Abs. 2 B III HGB als „Anteile an verbundenen
Unternehmen“).
Beteiligungen sind mit den Anschaffungskosten zu bilanzieren (§ 255 Abs. 1 HGB). Zu den
Anschaffungskosten gehören neben dem Kaufpreis auch Nebenkosten wie Notar- und Rechtsberatungskosten
oder Börsen- und Maklerprovisionen.[4] Für die laufende Bewertung gilt – wie beim gesamten
Anlagevermögen – das gemilderte Niederstwertprinzip. Danach führen Wertminderungen gegenüber dem
Buchwert einer Beteiligung nur dann zu außerplanmäßigen Abschreibungen, wenn die Wertminderung eine
dauerhafte ist. Wertsteigerungen etwa durch Gewinnthesaurierung können mit Hilfe von Zuschreibungen –
allerdings nur bis zur Höhe der ursprünglichen Anschaffungskosten – berücksichtigt werden.
Weltweit ist die Besteuerung von Beteiligungen und Dividenden hieraus sehr uneinheitlich geregelt. Selbst in
einzelnen EU-Staaten gibt es sehr heterogene Regelungen.
Bei einer unternehmerischen Beteiligung hat der einkommensteuerpflichtige private
Anteilseigner vereinnahmte Dividenden der Abgeltungssteuer zu unterwerfen. Das gilt auch für
die Gewinne aus Anteilsveräußerungen, sofern die Beteiligungsquote unter 1 % lag. Bei einer
Beteiligungsquote von 1 % und darüber gilt das Teileinkünfteverfahren. Hierbei sind 40 % der
Dividenden steuerfrei (§ 3 Nr. 40 EStG), die restlichen 60 % unterliegen dem Normaltarif.
[5]
Vereinnahmt eine inländische Kapitalgesellschaft Dividenden von einer inländischen
Beteiligung, so werden diese nach § 8b Abs. 1 KStG nicht besteuert, wobei nach § 8b Abs. 5
KStG eine nicht abzugsfähige Betriebsausgabe von 5 % der Dividende vorsieht. Das führt im
Ergebnis zu einer 95%igen Dividendenfreistellung.
[6]
Bilanzausweis
Bewertung
Besteuerung
Deutschland
In Österreich wurde die Besteuerung von Kapitalvermögen zum Jahresbeginn 2011 neu geregelt. Die neuen
Bestimmungen sehen vor, dass neben der bisherigen Kapitalertragsteuer (KESt) auf Zinsen, Dividenden und
Fondserträge auch Kursgewinne von Kapitalvermögen (z. B. aus Aktien, Anleihen, Fondsanteile, GmbHAnteile etc.) und Derivaten (z. B. Zertifikate) der KESt in Höhe von 25 % (seit 1. Januar 2016 27,5 %)
unterliegen. Kursgewinne werden erst seit April 2011 der KESt unterworfen.
Auf Bundesebene trat die so genannte privilegierte Besteuerung von Dividenden im Januar 2009 in Kraft.
Dabei ist es den Kantonen freigestellt, Dividenden ebenfalls privilegiert zu besteuern. Beim
Teilbesteuerungsverfahren beträgt die Entlastung von Beteiligungen im Geschäftsvermögen 50 %, Dividenden
aus Beteiligungen im Privatvermögen werden um 40 % entlastet.
Investivlohn
Privates Beteiligungskapital
Öffentlich-private Partnerschaft – verschiedene Formen privater Kapitalbeteiligung an der
Finanzierung und Verwaltung von Infrastrukturen
[7]
Produktivvermögen
Vermögensbildung
Beteiligungsgesellschaft
Till Fock: UBGG. Gesetz über Unternehmensbeteiligungsgesellschaften. Recht und Steuern
des Kapitalbeteiligungsgeschäfts (Private Equity). Kommentar. C.H. Beck, München 2005,
ISBN 3-406-52625-X.
Lothar Vollmer, Thomas Elser: UBGG. Kommentar zum
Unternehmensbeteiligungsgesellschaftsgesetz mit Erläuterungen zur Besteuerung der
Kapital-/Unternehmensbeteiligungsgesellschaften. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2005, ISBN
978-3-503-08744-0.

  1. Henner Schierenbeck: Grundzüge der Betriebswirtschaftslehre, 2005, S. 49
  2. Anton Burger/Philipp Ulbrich/Niels Ahlemeyer: Beteiligungscontrolling (http://books.google.de/
    books?id=d2Fd16sHTNoC&pg=PA12&dq=stille+beteiligung&hl=de&sa=X&ei=6cAcU7KyEYrr
    swaS3oDQCQ&ved=0CEMQ6AEwAA#v=onepage&q=stille%20beteiligung&f=false), 2011, S.
    132
  3. Peter Ulmer: HGB-Bilanzrecht (http://books.google.de/books?id=OuuPUvPmCg0C&pg=PA733
    &dq=beteiligung+dauernde+Verbindung&hl=de&sa=X&ei=PxcbU-r5FMeztAaDyIHACA&ved=
    0CEgQ6AEwAQ#v=onepage&q=beteiligung%20dauernde%20Verbindung&f=false), Teil 1,
    2002, S. 733.
  4. Wilhelm Frick: Bilanzierung nach dem Unternehmensgesetz (http://books.google.de/books?id=
    2wFrhjguD9cC&pg=PA148&dq=bewertung+anlageverm%C3%B6gen&hl=de&sa=X&ei=CFAb
    Österreich
    Schweiz
    Siehe auch
    Literatur
    Einzelnachweise
    Diese Seite wurde zuletzt am 5. Februar 2021 um 22:02 Uhr bearbeitet.
    Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und
    zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser
    abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser
    Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden.
    Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.
    U7vzDs3BtAaG94DoBw&ved=0CDkQ6AEwAA#v=onepage&q=bewertung%20anlageverm%
    C3%B6gen&f=false), 2007, S. 161
  5. Wolfram Scheffler: Besteuerung von Unternehmen III (http://books.google.de/books?id=tex6iCr
    ukpEC&pg=PA159&dq=beteiligung+besteuerung+nat%C3%BCrliche+person&hl=de&sa=X&e
    i=zx0bU-6EF8qGswb_4IDgDw&ved=0CEkQ6AEwAQ#v=onepage&q=beteiligung%20besteue
    rung%20nat%C3%BCrliche%20person&f=false), 2013, S. 159
  6. Heinz Kußmaul: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre (http://books.google.de/books?id=lVVmQT
    A5TNoC&pg=PA452&dq=beteiligung+besteuerung+kapitalgesellschaft&hl=de&sa=X&ei=ayE
    bU9-0NM3BtAaG94DoBw&ved=0CD4Q6AEwAA#v=onepage&q=beteiligung%20besteuerun
    g%20kapitalgesellschaft&f=false), 2013, S. 452
  7. Public-Private-Partnership (http://archiv.labournet.de/diskussion/wipo/gats/ppp.html) auf
    archiv.labournet.de vom 18. Dezember 2012, abgerufen am 2. Januar 2017.
    Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!
    Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kapitalbeteiligung&oldid=208482277“